Zum Werdegang der Gilde

Die Anfänge der Bürgerschützengilde Hillerheide gehen bis in die Zeit vor 1914 zurück. In den damaligen Jahren bestand für das gesamte Gebiet des Stadtteils eine einzige Schützenkompanie, die als 5. Kompanie zur Bürgerschützengilde "Bruch" 1864 gehörte. Es handelte sich um eine verhältnismäßig starke Schützengemeinschaft, die unter der Leitung des Schützenhauptmanns Johann Möcklinghoff stand.

Einer der Hauptgründe für die Bildung dieser Schützenkompanie mag das starke Anwachsen der Hillerheider Bevölkerung gewesen sein, insbesondere die Ansiedlung von Eisenbahnbediensteten im Zuge der Errichtung des Eisenbahnausbesserungswerkes im ersten Jahrzehnt des Jahunderts. Viele dieser Neubürger brachten den Schützengedanken aus der alten Heimat - Münster- und Paderborner Land - mit zur neuen Dienst- und Wohnstätte. Infolge Fehlens von Unterlagen ist eine Beantwortung der Frage nicht möglich, ob die Anregung zur Gründung der Schützenkompanie von Neubürgern oder von Alteingesessenen der Hillerheide ausgegangen ist. Nach mündlichen Berichten hat sich diese Schützengemeinschaft sehr schnell zu einem geselligen Mittelpunkt des Stadtteils entwickelt.

Trotz ihrer Zugehörigkeit zu der Brucher Gilde entfaltete die Hillerheider Schützenkompanie die bei einer selbstständigen Gilde übliche Tätigkeit. Sie durchdrang mit starken Impulsen das im Entstehen begriffene gesellschaftliche Leben und förderte nach Kräften die Bildung eines Gemeinschaftsgefühls des von den beiden Stadtteilen Süd und Altstadt gleich weit entfernten in sich abgeschlossenen Stadtteils Hillerheide. Ihr Anschluss an die Süder Gilde erfolgte, weil die Hillerheider Schützen die Verbindung mit einer Gilde suchten, die neben der Pflege des Traditionsgedankens sich dem Schießsport widmeten. Die Brucher Gilde hat alles getan, den Hillerheider Bürgern die Mitgliedschaft angenehm und fruchtbringend zu machen. Anderersiets fühlten sich die "Heidenkinder" bei der Süder Muttergilde äußerst wohl, wie den beiderseitigen Berichten zu entnehmen ist.

Mit dem Ausbruch des Weltkrieges 1914-1918 wurde der Tätigkeit dieser 5. Schützenkompanie auf der Hillerheide im Zuge des allgemeinen Erlöschens der Vereinstätigkeiten ein Ende gesetzt. Das Schützenwesen ruhte nicht nur während der vier Kriegsjahre, sondern auch noch viele Jahre nach Beendigung des Krieges. Besetzung, Inflation, Neuordnung des Lebens und auch das Fehlen an Mut ließen erst um 1926-1927 die ersten Regungen zur Wiederbelebung des Schützengedankens zu.

Die Schützen der Hillerheide fanden sich erstmals nach Kriegsausbruch am 17. Juli 1927 in einer Versammlung in der Wirtschaft Möcklinghoff zusammen. Damit trat das Schützenwesen dieses Stadtteils in den zweiten Abschnitt seiner Entwicklung. Wie stark der Schützengedankein diesem Stadtteil noch verwurzelt war, bewies der gute Besuch der vorerwähnten Versammlung. Aus der alten Schützenkompanie, deren Bestand durch den Krieg gelichtet war, waren 45 Schützenbrüder erschienen, dazu als neue Bewerber 77 Hillerheider Bürger. Diese stattliche Zahl war Grund genug, die Schützenkompanie wieder ins Leben zu rufen. Einstimmig wurde der um das Hillerheider Schützenwesen hochverdiente Anton Möcklinghoff zum Hauptmann gewählt und Schützenbruder Schawacht zum Feldwebel. Der in der Versammlung anwesende zweite Gildenvorsitzende der Brucher Gilde, Postert, nahm die Schützenkompanie wieder in den Schutz der Süder Schützengemeinschaft. Da inzwischen eine in König Ludwig gegründete Schützenkompanie als 5. Kompanie der Süder Gilde angeschlossen war, erfuhr die Hillerheider Schützengemeinschaft eine Umbenennung in 6. Kompanie.

Sehr schnell entfaltete sich diese 6. Kompanie. Das Offizierkorps wurde durch die Wahl von Fritz Köster zum Oberleutnant und von Hubert Holstein und von Karl Burghardt zum Leutnant vervollständigt. Schützenunteroffiziere wurden Gabriel Henneke und Heinrich Heinemann und später Willi Wolf, Fritz kl. Vorholt, Heinrich Dittmar, Eduard von Köln, Hermann Wappmeier, Oskar Geisler und Walter Frings. Es war eine schießsportlich in bestem Sinne ausgerichtete Kompanie, und so konnte es nicht wundernehmen, dass beim ersten Schießen um den Wanderpreis der Brucher Gilde auf den Schießständen des Schützenhofes am 25. September 1927 die Hillerheider Kompanie mit 299 Ringen den Wanderpreis errang. Bei dem ständigen Wachsen der Schützenkompanie wurde mit der Zeit eine Erweiterung des Vorstandes erforderlich. In der ersten Generalversammlung der 6. kompanie am 22. Januar 1928 wurde der engere Vorstand (Offiziere und Feldwebel) einstimmig wiedergewählt und durch Vizefeldwebel Kozik sowie die Schützenbrüder Wesselbaum und Stüer erweitert.

Im Frühjahr 1928 übergab Hauptmann Möcklinghoff das Schützenkommando an den Schützenoberleutnant Köster. In der Folgezeit sind Zwistigkeiten festzustellen, die Hauptmann Möcklinghoff zum Rücktritt bewegen. Zm Nachfolger wurde Schützenbruder Hohmann gewählt. Als weitere Offiziere wurden die Schützenbrüder Kozik und Franz Schrage gewählt. Kozik verzichtete jedoch, Franz Schrage wurde I. Leutnant. Nach wie vor aber blühte in der Kompanie der Schießsport. Die Kompanie erlangte zum zweiten Male die schwer umkämpfte Wanderkette der Brucher Gilde. Infolge Verzuges schied Schützenoberleutnant Köster aus der Kompanie aus. An seiner Stelle tratder bisherige I. Leutnant Schrage. Der bisherige Feldwebel Schawacht wurde durch den bisherigen Vizefeldwebel Kozik ersetzt. Zum I. Leutnant wurde Hermann Burghardt gewählt. Trotz der festgestellten wiederholten Wechsel in der Leitung der Kompanie (Vorstand) hielten die Hillerheider Schützen treu und fest an der Pflege des Schießsports. Auch im Jahre 1929 musste ihr die Wanderkette der Brucher Gilde zuerkannt werden. In der Vorstandsbesetzung gab es in der Folge wieder Veränderungen. Feldwebel Kozik wurde durch Feldwebel Albert Klein ersetzt.

Die Gründe für diese Umordnungen innerhalb einer sehr  kurzen Zeitspanne sind aus den Niederschriften in den Protokollbüchern nicht ersichtlich. Man darf jedoch annehmen, dass sowohl eine gewisse Müdigkeit im alten Teil des Kompaniebestandes als auch das kraftvolle Vorstoßen des Zuwachses zu den Veränderungen geführt hat. Um jene Zeit war allgemein auf der Hillerheide ein Drängen nach lokaler Selbstständigkeit festzustellen. Für die 6. Kompanie wurde die Frage einer Lösung von der Brucher Gilde akut, als zwischen der Kompanie und dem Süder Bataillon Unstimmigkeiten auftraten wegen des Schießens um die Wanderkette, die im Jahre 1930 von der 6. Kompanie nicht errungen worden war. Die Schützenbrüder Kozik, Inacker, Rode und Beine machten auf einer Mitgleiderversammlung am 20. Juli 1930 den Vorschlag, sich von der Süder Gilde zu trennen und selbstständig zu werden. Damit war der Stein ins Rollen gekommen. Der Vorstand trat geschlossen zurück und in einer Generalversammlung am 3. August 1930 wirde das Ende der ruhmreichen 6. Kompanie Hillerheide der Bürgerschützengilde "Bruch" 1864 beschlossen. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit der Süder Gilde verliefen in freundschaftlichem Geist und endeten mit einem beiderseitigen Einvernehmen. In der Mitgliederversammlung am 20. September 1930, der letzten der ehemaligen 6. Kompanie wurde ein Arbeitsausschuss gebildet, dem einmal die Verwaltung des Eigentums der bisherigen Kompanie und zum anderen die Vorbereitung für die Gründung einer selbstständigen Bürgerschützengilde Hillerheide übertragen wurde. Zum Vorsitzenden des Arbeitsausschusses wurde Franz Schrage gewählt, der bereits am 15. November 1930 im Gertrudenhof zur provisorischen Gründungsversammlung der Gilde schritt. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, war es in der Hauptsache das fortschreitende Wachsen des Stadtteils, das zur Trennung von der Süder Gilde und zur Schaffung  einer ortseigenen Gilde führte. Es wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Zum 1. Vorsitzenden der in der Bildung begriffenen Bürgerschützengilde Hillerheide wurde Franz Dreiskemper gewählt, zum Schriftführer Oskar Geisler und zum Kassierer Albert Klein. In Verbindung mit dem Arbeitsausschuss übernahm der Vorstand die weiteren Arbeiten. Bereits am 22. November waren letztere so weit gediehen, dass über Einzelheiten verandelt werden konnte. Es wurde beschlossen, neben dem zivilen Vorstand der Gilde einen uniformierten Vorstand für das Schützenbataillon zu bilden und das letztere vom Schützenmajor und dessen Adjutant gestellt werden solle. Die Anzahl der Kompanien wurde zunächst auf zwei beschränkt. Jede Kompanie erhielt einen uniformierten Vorstand aus Schützenhauptmann und Oberleutnant, sowie einen zivilen aus Vorsitzendem und zwei Beisitzern. Zum Major und Kommandeur des Hillerheider Schützenbataillons wurde Karl Stüper gewählt. Durch das Los wurde der im südlichen Teil des Stadtteils stationierten Schützenkompanie die Bezeichnung 1. Kompanie zuerkannt. Hauptmann der 1. kompanie wurde Schützenbruder Fritz Lickfeld, Oberleutnant Wilhelm Kozik, Leutnant Walter Frings, Feldwebel Heinrich Schu. Die Kompanie im nördlichen Gebiet erhielt die Bezeichnung 2. Kompanie und folgende Offiziere: Franz Schrage als Hauptmann, Walter Reese als Oberleutnant, Albert Klein als Feldwebel und Willi Wolf als Vizefeldwebel. Den Eisenbahnern wurde anheimgestellt, eine eigene 3. Kompanie zu gründen.

Die eigentliche Gründerversammlung fand am 08. März 1931 statt. Die Versammlung billigte alle vorerwähnten Maßnahmen und wählte zu dem uniformierten noch den zivilen Vorstand der beiden Kompanien. Vorsitzender der 1. Kompanie wurde Schützenbruder Körner, als Beisitzer wurden gewählt die Schützenbrüder Stüer, Denker und v. Hören senior. Der Vorsitz der 2. Kompanie wurde dem Schützenbruder Rode senior übertragen, zu Beisitzern wurden die Schützenbrüder Hestermann, Beine und Leushacke gewählt.
An diesem 8. März 1931 beginnt offiziell die erste Bürgerschützengilde Hillerheide zu bestehen, während das Hillerheider Schützenwesen mit der Gründung der Gilde in den dritten Abschnitt eintrat. In dem nun folgenden Zeitabschnitt nahm die Gilde langsamer, jedoch beständiger Entwicklung einen verheißungsvollen Aufschwung.

Die erfüllte sich mit Leben und Bewegung. Mit Liebe und Begeisterung opferten die Schützen für die Ausgestaltung der Kompanien Zeit und Geld, mit Energie und Sachkenntnis ordneten der Vorsitzende und der Schützenmajor das Hinweinwachsen der jungen Gilde und den Geist und die Atmosphäre des Gesamtschützenwesens der Stadt. Die schlechte Wirtschaftslage der damaligen Jahre hemmte vielfach das Werden und Wachsen. So war zunächst die Anschaffung von Schützenhüten unmöglich. Die Gilde begnügte sich vorerst mit der Einführung von Rosetten als Abzeichen für die Schützen, und zwar für die 1. Kompanie grün-weiß, für die 2. Kompanie grün-rot. Das Fehlen der Schützentracht hinderte die Gilde an der Teilnahme des Festzuges im Rahmen des 29. Westfälischen Bundesschießens, das in Recklinghausen auf den Schießständen des neu ausgestalteten Schützenhofes durchgeführt wurde, sowie eine repräsentative Entfaltung überhaupt.

Um so intensiver wurde der innere Aus- und Aufbau der jungen Gilde betrieben. Es galt zunächst die Mitglieder der einzelnen Kompanien mit dem Schützenbrauchtum und insbesondere mit dem Wert echter, uneigennütziger Kameradschaft vertraut zu machen. Der Fleiß der Bemühungen um den inneren Zusammenschluss wurde schon bald von Erfolg gekrönt und fand sichtlich Ausdruck in dem Gildenbeschluss, den Beitrag von den Erwerbslosen nicht mehr einzuziehen. Auch organisatorisch strebte die Gilde nach Verbesserungen. So wurde die Frage der Verkehrslokale für die Kompanien in wahrhaft kameradschaftlicher Haltung geregelt. Als Lokale für die 1. Kompanie wechselten van Hören, Möcklinghoff und Hohmann. Der 2. Kompanie standen die Lokale Schrage, Fellmann und Hohmann abwechselnd zur Verfügung. Vorstandsitzungen sollten der Reihe nach in den Lokalen van Hören, Möcklinghoff, Hohmann, Schrage, Fellmann stattfinden. Die vom Arbeitsausschuss ausgearbeiteten Statuten wurden in laufender Beobachtung auf Zeitnähe und Gegenwartsbedürfnis überprüft und dem aus der Gilde selbst entwickelten Arbeitsmodus angepasst. Auf diese Weise wurde eine lebendige Grundhaltung des staturarischen Lebens gewährleistet.

Die vorhandenen Unterlagen zum Werdegang der Gilde enthalten keine Anhaltspunkte über Inhalt und Form der Statuten. Lediglich im Laufe des ersten Jahres des Bestehens vorgenommene Satzungsänderungen geben einen kleinen Einblick in die "Gesetze", die sich die Hillereheider Gilde gegeben hat. Neben der Pflege des Bürgersinns, nachbarlichen Geistes, der Selbstdisziplin, des Bürgerstolzes und des Schießsportes betrachtet die Gilde es als vornehme Aufgabe, Bindeglied zu sein zwischen den beiden Stadtteilen Süd und Altstadt. Auch in der Besetzung der führenden Stellen gab es im ersten Jahr des Bestehens geringfügige Änderungen. So wurde der bisherige Gildenkassierer Klein ersetzt durch den Schützenbruder Inacker.

Der Ruf der früheren 6. Schützenkompanie Hillerheide, aus der die Gilde erwachsen ist als eine schießfreudige und schießtüchtige Gemeinschaft übertrug sich voll und ganz auf die neue Gilde. Bereits wenige Wochen nach der offiziellen Gründung traf die Gilde umfassende Vorbereitungen für die Entfaltung eines regelmäßigen Schießsportes. Die unterste Stufe in der Ausübung des Schießsportes bildete das Kompanieschießen. Es galt zugleich als die Hauptgrundlage dieser Sportart überhaupt. Als weitere Stufe wurde das Bataillonsschießen eingeführt. Krone und Höhepunkt der schießsportlichen Arbeit des Jahres bildete das Pokalschießen, dem sich später das Schießen um die Wanderkette hinzugesellte. Das erste Schießen der neuen Gilde wurde auf den Schießständen des Schützenhofes am 5. Juni 1931 durchgeführt. Schon am 2. August folgte das erste Bataillonsschißen und am 8. November 1931 das erste Pokalschießen. Die Schießergebnisse zeigten die sportliche Ausrichtung der Golde. Nur mit 27,6 Ringen im Durchschnitt errang die 1. Kompanie vor der 2. Kompanie mit 27,4 Ringen beim ersten Pokalschießen die Siegertrophäe.

Die schwere Wirtschaftsnot der Zeit zwang die Gilde bei der durchführung der Uniformierung zu Maßnahmen der Gemeinschaftshilfe. Auf diesem Wege gelang im Jahre 1932 die Beschaffung der Schützenhüte für die gesamte Gilde. In diesem Jahr veranstaltete das Schützenbataillon mehrere repräsentative und propagandistische Ausmärsche. Die freudige Anteilnahme der Bevölkerung an den Dingen und dem Leben der Gilde unterstrich die Verwurzelung des Schützengedankens in diesem Stadtteil. Die Pflege des Schießsports stand weiterhin im Mittelpunkt der Gildenarbeit. Nach dem Kompanieschießen und dem Bataillonsschießen bei welchen im Jahre 1932 erstmalig der Bataillonspreis verteilt wurde, erlebte das Schützenbataillon mit dem Pokalschießen den Jahreshöhepunkt. Diesmal gelang es der 2. Kompanie mit 27,04 Ringen im Durchschnitt die 1. Kompanie, deren Ringzahl 26,83 betrug, zu schlagen. Als bester Schütze des Bataillons erwies sich mit 33 Ringen der Schützenbruder Möcklinghoff.

Was lag angesichts der prächtigen Entwickling der Gilde und der guten Schießarbeit näher, nun auch die Veranstaltung eines Schützenfestes als Höhepunkt einer jeglichen Schützentradition in Erwägung zu ziehen. Schützenmajor Stüper war es, der in der Bataillonsvorstandsitzung am 16. Juli 1932 die Anregung zur Abhaltung eines Schützenfestes gab. Nach den Satzungen konnte ein Schützenfest nur gefeiert werden, wenn ein Bedürfnis vorliegt und die Generalversammlung zustimmt. Es wurde der Plan gefasst, das erste Schützenfest der Gilde für das Jahr 1933 vorzusehen. Es sollte hierbei mit der vielfach üblichen Gepflogenheit, nur zahlungsfähige Schützen König werden zu lassen gebrochen und stattdessen beim Vogelschießen der beste Schütze ermittelt werden.

Das tatkräftige und bewegte Leben der Gilde war nicht ohne Einfluss auf die Gesamtheit der Bevölkerung. Es bildete sich mit der Zeit ein gesunder Bürgersinn, der es zuwege brachte, die in jenen Jahren infolge der Wirtschaftskrise besonders stark hervortretenden Standesunterschiede auf ein erträgliches Maß zu beschränken. Die Gilde selbst erhielt aus allen Ständen Zuwachs. Anfang des Jahres 1933 betrug die Zahl der Mitglieder bereits 117. In der Leitung der Gilde ergaben sich einige Änderungen. Schatzmeister Inacker legte sein Amt nieder, das die Generalversammlung am 22. Januar 1933 dem Schützenbruder Karl Burghardt übertrug. Als erster Bataillonsadjutant wurde Josef Denker und als zweiter Schriftführer der Gilde van Hören junior gewählt. Der Ausbau der Gilde erfolgte zusehends. Bei Ausmärschen zeigte das Bataillon beste Schützenhaltung. Das erste Schießen um die von der Gilde beschaffte Wanderpreiskette wurde am 7. Mai 1933 durchgeführt und von der 2. Kompanie mit 31,28 Ringen vor der 1. Kompanie mit 30,76 Ringen im Durchschnitt gewonnen.

Die Absicht, im Jahre 1933 ein Schützenfest abzuhalten, wurde im Hinblick auf die Wirtschaftsnot fallen gelassen. Dagegen wurden Bestrebungen laut, eine 3. Schützenkompanie zu gründen. Sowohl auf dem ersten, glänzend verlaufenen Baraillonsfest am 7. Mai 1933 als auch in der Bataillonsvorstandsitzung am 29. Juli 1933 wurde aus Kreisen der Bevölkerung der Wunsch an das Bataillon getragen, durch Einrichtung einer weiteren Schützenkompanie Interessenten die Möglichkeit zum Eintritt in die Gilde zu geben. Als Sammellokal dieser 3. kompanie wurde der Gertrudenhof (Hohmann) gewählt. Welche Gründe maßgebend warten, dass trotz des großen Interesses die Kompanie beim Pokalschießen am 24. September 1933 noch nicht stand, ist heute nicht mehr festzustellen. Dieses Schießen wurde eine Beute der 1. Kompanie, die 32,68 Punkte errang. Beste Schützen des Tages waren Rabenecker, Weber und Hestermann. Vizefeldwebel Heinemann wurde Leutnant in der 2. Kompanie. Im Verlauf dieser Veranstaltung übernahm Johann Käuper die Bildung der 3. Kompanie, deren offizielle Gründung am 30. September 1933 im Eisenbahnkasino erfolgte. Zum 1. vorsitzenden wurde Schützenbruder Bolz, zu Beisitzern Knipp und Neumann gewählt. Hauptmann wurde Ludwig Jung, Leutnant August Guntermann und Johann Käuper, Feldwebel Paul Schmitz, Vizefeldwebel Frank Bunk. Als Kompaniefarben wurden Grün-Gelb gewählt.

Um den Bestand und die Gemeinschaft der einzelnen Kompanien zu gewährleisten, erließ das Bataillon ein Verbot des Kompanienwechsels. Die 3. Kompanie entwickelte sich mit Schwung. Neben der Pflege des Schießsports übte sie in besonderem Maße Brauchtum und Tradition, wozu ihr eine in ihrem Besitz befindliche historische Königskette die innere Verpflichtung gab. Die Gilde erlebte im Jahre 1933, und zwar am 22. Oktober, einen repräsentativen Höhepunkt mit der festlichen Weihe der Fahne. Sie ist in den Wirren der Zeit verloren gegangen. Die protokollarischen Unterlagen sagen kein Wort über ihr Aussehen, so dass es nicht möglich ist,  die hier zu verewigen. Die Fahnenweihe gestaltete sich neben dem schönen Erlebnis zu einer eindrucksvollen Werbung für die Ideale der Hillerheider Schützengilde, deren Zuwachs stieg, sodass noch im gleichen Jahre die 4. Schützenkompanie aus der Taufe gehoben werden musste. Hauptmann dieser Kompanie wurden Schützenbruder Kröger, Feldwebel Schützenbruder Cohaupt. Als Farben wählte sich die 4. Kompanie Grün-Blau.

Nunmehr wurde mit dem ersten Schützenfest der Heide ernst gemacht. Es stand fest, dass dieses Fest im Frühsommer des Jahres 1934 gefeiert werden müsse. Aus diesem Grunde wurde auch der gesamte Vorstand im Amt belassen und durch Hinzuwahl eines 2. Vorsitzenden in der Person von Schulte-Middelmann ergänzt. Die Arbeit konzentrierte sich von nun an auf die Vorbereitung des Festes. eine nicht kleine Anzahl von Kommissionen wurde gebildet und mit der Durchführung der Vorbereitungsarbeiten beauftragt. Nebenher ging der auf der Heide beliebte Schießsport weiter. Eine neue Schießordnung wurde eingeführt, in der fünf Pflichtübungen und eine Hauptübung vorgesehen waren. Auch die in den Frühjahrsmonaten durchgeführten Preisschießen dienten der Vorbereitung des Schützenfestes, dem mit der Gilde die gesamte Bevölkerung der Heide entgegenfieberte. Wohl selten haben in Recklinghausen die Vorbereitungen für ein Schützenfest so viel Staub aufgewirbelt und einen schöneren Erfolg gezeitigt als beim ersten Schützenfest auf der Hillerheide. Der ganze Stadtteil war in Bewegung gekommen. Die Bevölkerung überbot sich in der Ausschmückung der Straßen und Häuser. Bis in die kleinsten Einzelheiten durchorganisiert war das festliche Geschehen der drei denkwürdigen Tage, des 09., 10. und 11. Juni,

Im Mai war ein großer Kampf um die Wanderpreiskette voraufgegangen. Es war das letzte mal, dass um diese Kette gekämpft wurde, wenigstens in der bisherigen Weise, da sie in den Rang einer Königskette erhoben wurde, um die ein noch größerer Kampf erstmals in diesem Jahre, nämlich beim Schützenfest, ausgetragen werden sollte. Die 3. Kompanie errang die Kette, d. h. die inzwischen neu beschaffte. Am ersten Schützenfest auf der Hillerheide nahm bald ganz Recklinghausen teil. Die günstige Lage des Festzeltes auf der Rennbahn, die Volkstümlichkeit der Festesfolge und der gute Ruf der Hillerheider Gilde im Verein mit einer intensiven Werbung bescherte den Veranstaltern an allen Festtagen wahren Massenbesuch, und in erheblichem Umfang auch von auswärts. Mit recht konnte Schriftführer Geisler, der langjährige und getreue Chronist der Gilde, im Jahresbericht 1934 über dieses Fest berichten: "Was beim Schützenfest von der jungen Gilde geschafft wurde, fand weit über die Stadtgrenzen Anerkennung. Echter Bürgersinn und Volksverbundenheit hatten hier ein Volksfest geschaffen, dass in der Hillerheider Schützengilde eine bleibende Erinnerung haben wird". Es ist hinzuzufügen, dass allen Teilnehmern, ob Schützen oder Nichtschützen, die drei festlichen Tage unvergessen bleiben; sie erinnerten in vielem an den Festwiesenzauber vergangener Zeiten. Erster Schützenkönig der Hillerheide wurde Schützenhauptmann Ludwig Jung von der 3. Kompanie. Schützenkönig Ludwig I. erwählte sich zur Königin Frau Ida Heimken. Bis zum Königsschuss amtierte als Präsident Ludwig Rode mit Frau Hestermann als Präsidentin.

Mit dem Pokalschießen am 7. Oktober, das von der 1. Kompanie mit einer Durchschnittsringzahl von 31,2 gewonnen wurde, endete dieses für die Hillerheide denkwürdige Schützenjahr. Mit der weiteren Neugestaltung der politischen Verhältnisse verlagerte sich bei den Schützengilden die Hauptarbeit von der Pflege der Geselligkeit, des Bürgersinns und des Brauchtums auf den Schießsport. Auch die Bürgerschützengilde Hillerheide war gehalten, sich dem Reichsverband für Kleinkaliberschützen anzuschließen und den Schießsport nach amtlichen Richtlinien auszuüben. Innerhalb des Bataillons wurde unter Ludwig Jung eine Kleinkaliberschießabteilung eingerichtet, die bereits im Jahre 1935 mit beachtlichen Erfolgen aufwarten konnte. Die neue Schießordnung für die Gilde selbst verlangte sechs Pflichtübungen, die von den Kompanien auch restlos durchgeschossen wurden. Pokalschießen, Bataillonsschießen sowie das Schießen um die Wanderpreiskette ergänzten und umrahmten die Pflichtübungen.

Mit der Einführung des Zwangsschießens verlor der Traditionsgedanke der Gilde an Sinn und Bedeutung. Viele Schützen missfiel die Neuordnung, trotzdem erlebte die Hillerheider Gilde ständigen Zuwachs. Der Grund ist das unablässige Bemühen der leitenden Männer der Gilde, in allen Dingen Maß zu halten und allen Anforderungen der Zeit zum Trotz den ursprünglichen Sinn des Schützengedankens in den Vordergrund zu rücken. In dieser Zeit da der Aufbau der Gilde beendet ist, ergeht der Befehl von oben, dass die Schützengilden sich in den Reichsbund für Leibesübungen einzuordnen haben. Die Hillerheider Gilde ist somit Mitglied des Reichsverbandes für Kleinkaliberschützen und gleichzeitig auch des Reichsbundes für Leibesübungen. Die Gilde ist auf die Ebene eines Sportvereins gewiesen. es war unmöglich, gegen den Widersinn einer solchen Regelung vorzugehen. Auch in der Hillerheider Gilde sind um diese Zeit Spannungen zu verzeichnen. Sie erhalten an Nachdruck durch eine Reihe von Veränderungen in der Organisation der Gilde, die zufällig erfolgen. Der um die Gilde hochverdiente Hauptmann Schrage von der 2. Kompanie schied aus infolge Verzuges zur Altstadt. Er wurde ersetzt durch den bisherigen Oberleutnant Reese. Der bewährte Schriftführer Oskar Geisler, der dem ersten Schriftführer Schwacht folgte, legte sein Amt nieder. Schützenbruder Dorider von der 2. Kompanie wurde sein Nachfolger. Am 7. Januar 1936 legte Schützenmajor Stüper, der zur Altstadt verzog, sein Ehrenamt nieder. Die Gilde beschloss, dem Geist der nationalsozialistischen Zeit entsprechend, das Amt des Gildenvorsitzenden und des Schützenmajors in einer Person zusammenzufassen. Franz Dreiskemper wurde somit Gildenvorsitzender und Schützenmajor.

Die Verdienste des bisherigen Schützenmajors Karl Stüper ehrte die Gilde durch Ernennung von Stüper zum Ehrenoberst und durch seine Berufung in den Beirat der Gilde. Karl Stüper verdankt die Gilde der Hillerheide insbesondere das Hinweinwachsen des Bataillons in den Geist und die Atmosphäre des Traditionsgedankens. Er hat die Gilde von dem Überschwang der äußerlichen Formen bewahrt und andererseits jeglicher Äußerung des Schützenlebens einen betonten Gehalt gegeben. Es ist sein Verdienst, wenn die Schützengilde der Hillerheide sich im gesamten Stadtgebiet des besten Rufes erfreute, nicht zuletzt durch den guten Eindruck, den das Bataillon, die Kompanien und Abordnungen durch die Geschlossenheit des Auftretens in der Öffentlichkeit hinterließen. Karl Stüper war es auch, der schon bei der Gründung der Gilde die Heimatpflegerische Aufgabe des Schützenwesens in den Vordergrund rückte. Als weitere Veränderungen in der Leitung der Gilde um diese Zeit sind zu nennen die Ernennung des Schützenkönigs Ludwig Jung zum stellvertretenden Bataillonsführer im Range eines Majors, die Ernennung von Johann Käuper zum Hauptmann der 3. Kompanie, die Ernennung des Expräsidenten Ludwig Rode zum Ehrenoffizier im Rang eines Majors, die Ernennung von Franz Schrage zum Ehrenhauptmann der 2. Kompanie, die Beförderung des bewährten Schießoffiziers Leutnant Schmitz zum Schützenoberleutnant, die Ernennnung von Dr. Wenzel (2. Kompanie) zum Dietwart und schließlich die Ernennung von Josef Peters (3. Kompenie) zum Werbewart. Die Ernennung eines Dietwarts zeigt deutlich den Zug der damaligen Zeit, aus den Schützenvereinen reine Sportvereine zu machen.

Das gute Einvernehmen zwischen den anderen Gilden im Stadtgebiet und der Hillerheider Gilde wirkte sich mit der Zeit auch auf das gemeindliche Leben im Stadtteil selbst aus. Die Bevölkerung empfand in zunehmendem Maße die Bedeutung eines selbstständigen Lebens im eigenen Stadtteil und legte infolgedessen hohen Wert auf die Ausgestaltung der Heide als besonderen Stadtteil. In dieser Richtung ist auch das Bestreben zu werten, im Jahre 1937 wieder mit einem Schützenfest an die Öffentlichkeit zu treten. Wie das erste, wurde auch das zweite Schützenfest der Heide, das am 12., 13 und 14. Juni 1937 unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung des Stadtteils in Glanz und Pracht gefeiert wurde, ein eindrucksvolles Bekenntnis zum Schützengedanken und darüber hinaus zur geliebten Hillerheide. Schützenbruder Willy Firlay tat den Königsschuss und regierte als König Wilhelm I. Dass das damalige Schützenkönigspaar Willy Firlay und Frl. Maria Bielefeld über einen Zeitraum von 15 Jahren im Schützenstaat der Hillerheide herrschten sollte, ist sicherlich beim Schützenfest des Jahres 1937 weder den Majestäten selbst noch irgend einem Schützen bewusst gewesen. Der Krieg und die Nachkriegsereignisse verhinderten auch die kleinste Entfaltung festlichen Lebens, sodass unser Herrscherpaar wohl oder übel sich mit den Verhältnissen abfinden musste. Die Hillerheider Schützen sind nicht bös darum und werden gewiss die langjährige, treue und milde Herrschaft noch vor dem neuen Königsschuss zu ehren wissen.

Zu Beginn des Kriegsjahres 1939 wurde in der Generalversammlung der Gilde am 5. Januar Johann Käuper, Hauptmann der 3. Kompanie, als Oberst zum Gildenführer gewählt. Der bisherige Gildenführer, Schützenmajor Dreiskemper, hatte seine Ämter zur Verfügung gestellt, als er von der Hillerheide verzog. Sein Ausscheiden aus der Gilde wurde aufrichtig bedauert. In seiner ruhigen, besonnenen Art hatte Dreiskemper es immer verstanden, innerhalb der Gilde ausgleichend zu wirken, Differenzen zu beseitigen, Schwierigkeiten zu überbrücken und einen Zug Freundlichkeit in das Schützenleben zu tragen. Darüber hinaus war er ein guter Organisator, der am meisten dazu beigetragen hat, der Hillerheider Schützengildedas feste Fundament zu geben. In der letzten Generalversammlung der Gilde vor Ausbruch des Krieges trat Hauptmann Kozik von der 1. Kompanie zurück, die am 21. Oktober 1939 von Hauptmann Krolak übernommen wurde. Eine besondere Ehrung erfuhr im Februar 1939 Schützenbruder Erwig, der als ältestes Mitglied zum Ehrenoffizier ernannt wurde. Im Jahre 1940 wurde in der Generalversammlung der Gilde der Vorstand wie folgt gebildet: Gildenführer Johann Käuper, Schriftführer Willi Post, Schatzmeister Heinrich Werthmann.

Man kann nicht sagen, dass die Hillerheider Gilde in den Kriegsjahren sich jeglicher Tätigkeit enthalten hätte. Oberst Käuper hat unerschrocken und mutig das durch Einberufungen klein gewordene Bataillon um sich geschart, den Schützengedanken wachgehalten und mit den Schützenden angeordneten Schießsport betrieben. Im Jahre 1941 übernahm Schützenoberleutnant Schollmeier als stellvertretender Kompanieführer die 1. Kompanie, deren Schützenhauptmann Krolak einberufen war. So lange die Verhältnisse es zuließen, hat die Hillerheider Gilde während des Krieges in ihrer besonnen Art weiter gearbeitet. Nur die Pflege des Brauchtums jeglicher Art war unmöglich geworden. Mit der Zuspitzung der politischen und militärischen Lage ließ die Gildenarbeit nach, um in den letzten Kriegsjahren völlig zu ruhen. Ab 1943 ist in der Gilde keine Tätigkeit mehr festzustellen. Damit ging eine hohe Zeit des Schützenwesens im Stadtteil Hillerheide zu Ende.

Wie stark die Erinnerung an das Schützenleben in den verhältnismäßig keinen Zeitraum von 1931 bis 1943 auf der Hillerheide weiter lebte, dafür ist ein Beweis das kraftvolle Wiedererstehen der Bürgerschützengilde in der zweiten Hälfte des Jahres 1951. Es hat nur wenige Monate bedurft, um die Gilde in der alten Stärke wieder aufzustellen. Fast hat es den Anschein, als wenn es sich nicht um ein Wiedersehen, um eine Neugründung handelt, sondern um ein plötzliches Wiederdasein der alten Gilde, die nur auf das Stichwort wartete, um in alter Pracht wieder zu leben und sich zu entfalten. Die Ersten Vorbereitungsarbeiten lassen diesen Rückschluss ohne Vorbehalte auch zu. Waren es doch Schützenbrüder der alten Gilde, und zwar Hohmann, Koch, Schulte-Middelmann, Käuper und Kolak, die in einem ersten Gedankenaustausch am 18. Juni 1951 den Stein zu einem Wiederaufleben der Gilde ins Rollen brachten. Aber auch der ein einer zweiten Besprechung am 23. Juli 1951 gebildete Arbeitsausschuss setzte sich ausschließlich aus alten Schützen zusammen, und zwar aus dem alten Vorstand und aus Vertretern der vier früheren Kompanien. Dass von diesen 15 Schützenbrüdern zum Versammlungsleiter der letzte Gildeleiter und Schützenkommandeur Johann Käuper einstimmig gewählt wurde, ist ein weiteres Zeichen, dass die alte Gilde, zum wenigsten in der Leitung, wiedererstanden war.

Der als Ergebnis der Besprechung gefasste Beschluss, die Schützengilde Hillerheide unter der Bezeichnung "Bürgerschützengilde Hillerheide, Recklinghausen" neu erstehen zu lassen, lässt allerdings den Schluss zu, dass man gewillt war, wohl an vorhandenes Alte anzuknüpfen, jedoch im übrigen ein neues Gebilde zu schaffen. In einer weiteren Besprechung am 9. August 1951 wurde dem Arbeitsausschuss bereits die ersten Mitgliedseintragungen gemeldet. Die 1. Kompanie wies schon 46, die 2. Kompanie 5, die 3. Kompanie 9 und die 4. Kompanie 10 Mitglieder aus. Immerhin ein schönes Ergebnis der erst kurz angelaufenen Werbung. In der konstituierten Versammlung, die einen Monat später am 2. September 1951 im Lokal Hohmann stattfand, zählte die Gilde bereits 155 Mann, von denen auf die 1. Kompanie 52, die 2. kompanie 44, die 3. Kompanie 21 und die 4. Kompanie 38 Schützen entfielen. Auf dieser Gründungsversammlung wurde nach den Vorschlägen des Arbeitsausschusses verfahren. Gemäß der Gildenordnung der alten Gilde wurde ein ziviler Gildenvorsitzender und ein uniformierter Leiter des Schießsports, der Ausmärsche, der Schützenfeste und ännlicher Veranstaltungen mit der Bezeichnung Schützenmajor und Kommandeur des Schützenbataillons gewählt. Unter der Leitung des Schützenbruders Josef Nüsse wurde zum Gildenvorsitzenden Schützenbruder Franz Bielefeld gewählt und zum Bataillonskommandeur Schützenbruder Hermann Dröghoff und zu dessen Adjutant Josef Denker, der bereits in der alten Gilde ohne Unterbrechung diesen Posten inne gehabt hatte. Schriftführer der Gilde wurde Friedrich Wagener und Schatzmeister Heinrich Werthmann. Es wurde beschlossen, dem geschäftsführenden Vorstand als Beisitzer die jeweiligen Kompanie-Hauptleute oder deren Stellvertreter sowie aus jeder Kompanie einen weiteren Schützenbruder beizugeben. Der Gesamtvorstand besteht somit aus 12 Mitgliedern.

Als vorläufige Kompanieführer bzw. deren Stellvertreter wurden gewählt für die 1. Kompanie Hauptmann Heinrich Krolak, für die 2. Kompanie Oberleutnant Georg Beine, für die 3. Kompanei Hauptmann Josef Nüsse, für die 4. Kompanie Oberleutnant Julius Klos. Von den alten Schützenenblemen sind noch die Wanderkette, die Königskette und das Diadem vorhanden. In dieser Versammlung, mit der der vierte Abschnitt des Hillerheider Schützenwesens seinen Anfang nahm, wurden von Schützenbrüdern 35 Schützenhüte für minderbemittelte Kameraden gestiftet. Ein Beweis, dass auch in der wiederentstandenen bzw. neuen Hillerheider Gilde das Wort "Kameradschaft" praktisch geübt wird.

Wie bei der alten Gilde, nahm in der neuen die Zahl der Mitglieder ständig zu. Eine rege Vereintätigkeit hub an Schützenbruder Lutz Krabbe, als Sachbearbeiter für Veranstaltungen eingesetzt, inszenierte mit Schütenbruder Heinrich Schäfer sen. ein Preisschießen, das im Oktober druchgeführt wurde und glänzend verlief, und weiter ein Bataillonsfest am 21. Oktober in der Rennbahntribühne. Die Gilde wurde Mitglied des Westfälischen Schützenbundes. Die Frage, ob die Gilde in Fortsetzung der alten Hillerheider Tradition den Schießsport pflegt, wurde durch Abstimmung dahin entschieden, dass drei- bis viermal im Jahr ein Bataillonsschießen durchgeführt wird,dagegen von der Veranstaltung der früheren Kompanieschießen Abstand genommen werden soll. Einen Markstein für die Weiterentwicklung der Gilde bedeutete die am 5. Januar 1952 in feierlichem Rahmen vollzogene Weihe der neuen Fahne. Das Festliche Ereignis, das in der vollbesetzten Rennbahntribüne unter Teilnahme von starken Abordnungen befreundeter Gilden aus dem Stadtgebiet vonstatten ging, erhielt eine besondere Note durch eine Festansprache von Heimatgebietsleiter  Oberstadtdirektor a. D. Dr. Josef Hellermann, der mit den Grüßen des an der Teilnahme verhinderten Landeshauptmanns  die Mitteilung über die Aufnahme der Hillerheider Schützengilde als selbständiges Mitglied in den Westfälischen Heimatbund verband. Die Teilnahme von Oberbürgermeister Dünnebacke,  Oberstadtdirektor Dr. Michaelis und zahlreichen Behördenleitern darf als ein Zeichen gelten, dass die Bürgerschützengilde sich bester Wertschätzung erfreut.

Nachdem der Gildenaufbau nahezu erfolgt war, trat der bisherige Vorstand geschlossen zurück, um in einer Generalversammlung am 12. Februar 1952 neuen Männern Platz zu machen. Der Vorstand wurde jedoch einstimmig wiedergewählt. Auf Vorschlag des Gildenvorsitzenden wurde Johann Koch, der Leiter der "Plattdütsken Naohberschopp" zum zweiten Vorsitzenden der Gilde gewählt und mit der Leitung des heimatpflegerischen Sektors in der Gildenarbeit betraut. Zwei Veranstaltungen sind es, die im Jahre 1952 Höhepunkte der Gildenarbeit werden und zugleich die zweifache Aufgabe der Hillerheider Schützengilde dokumentieren sollen. Auf heimatpflegerischem Gebiet die Einweihung des von der Gilde errichteten Ehrenmals für die Toten der beiden Weltkriege, und auf dem Gebiet der Brauchtumspflege das erste Schützenfest der eneun Gilde, das dritte auf der Hillerheide überhaupt. Beide Veranstaltungen bilden ein Ganzes und fanden am 28., 29. und 30. Juni 1952 statt.

Nach der Neugründung der Gilde und des Heimatvereins hatte der Aufschwung, vor allem in den sechziger-Jahren, seinen Höhepunkt seiner Mitgliederzahl von 430 Schützen erreicht. Durch die Schließung des Bundesbahn-Ausbesserungs-Werkes und des Eisenwerk Stolle verlor die Gilde und Heimatverein ca. 250 Mitglieder. Eine weitere Schrumpfung der Mitgliederzahl erlitt die Gilde durch das Ableben vieler älterer Mitglieder. Durch Werbung erfolgten auch viele Neuzugänge, sodass trotzdem in den achtziger-Jahren ein Mitgliedstand von 210 Schützen vorhanden war. Durch die Schließung des Eisenbahn-Ausbesserungs-Werkes kam die dritte Kompanie (die sogenannte Eisenbahner-Kompanie) fast auf den Nullpunkt. Die tatkräftige Werbung und Arbeit des Major Heinz Kiesenberg und des Hauptmanns Rudi Vogel hatte die 3. Kompanie damals zu verdanken, dass diese wieder einen Mitgliederstand von 65 Schützen zählte. Weiterhin wichtig für die Entwicklung und Fortbestand der Gilde ist die Jugend, die in den achtziger-Jahren den Höchststand von 40 Jungen und Mädchen zu Buche schlug.


Fortsetzung folgt in Kürze...